• Kinderzeichnung zum Thema Freiheit

Ombudschaft

Eine Ombudsfrau oder ein Ombudsmann ist unparteiisch und unabhängig, vertritt bei Streitfragen aber die Interessen der strukturell unterlegenen Partei. Auf diese Weise soll strukturelle Unausgewogenheit ausgeglichen und eine gerechte Einigung erzielt werden. Der Begriff kommt aus dem Schwedischen und bedeutet „Treuhänder“.

Ombudschaftliche Unterstützung findet in der Regel auf individueller Ebene statt, wenn

  • eine Person sich mit ihrem Anliegen an die Ombudsstelle wendet
  • die Beurteilung der Situation zeigt, dass Unterstützung notwendig ist.

Hilfe zur Selbsthilfe

Dabei wird die Ombudsstelle für die Leistungsberechtigten nur soweit aktiv, wie es die Umsetzung der gemeinsam vereinbarten Strategie erfordert. Die Eigeninitiative und Autonomie der leistungsberechtigten Kinder, Jugendlichen oder Familien sollen nach Möglichkeit gefördert und keinesfalls eingeschränkt werden.

Aus der Vergangenheit lernen, Zukunft gestalten

Strukturen und Verfahren in der Jugendhilfe zu hinterfragen und auf ihre Auswirkungen auf das Kindeswohls zu überprüfen bietet die Chance, das Jugendhilfesystem nachhaltig zu optimieren und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Der „Runde Tisch Heimerziehung“ hat hier bereits viele wertvolle Impulse geliefert. Ombudschaftliche Unterstützung kann zur professionellen und organisatorischen (Selbst)-Hinterfragung in der Kinder- und Jugendhilfe beitragen, wenn sie einerseits strukturell verankert, andererseits jedoch finanziell, organisatorisch und rechtlich abgesichert ist.

Wie kann sich aktuell jemand in Baden-Württemberg ombudschaftlich in Angelegenheiten der Jugendhilfe beraten lassen?

Strategie zur Problemlösung klären

Grundsätzlich gilt: Die Eltern haben zentral das Recht und die Pflicht, ihre Kinder zu erziehen und zu pflegen. Die staatliche Gemeinschaft wacht darüber, dass das Recht der Kinder gewährleistet wird (Art. 6 Grundgesetz). Deshalb können junge Menschen und ihre Familien auf staatliche Unterstützung zurückgreifen, wenn sie eine Situation nicht alleine bewältigen können. Ob eine Familienberatungsstelle, das Jugendamt oder ein anderer Ansprechpartner die richtige Adresse ist, wird am besten so früh wie möglich am Telefon oder per E-Mail mit unseren Beraterinnen und Beratern geklärt. Die Beratung ist vertraulich und kostenfrei. Bei Konflikten mit den Jugendämtern oder den Einrichtungen und Diensten der Erziehungshilfe wird zunächst nach Vermittlungsmöglichkeiten gesucht. Maßgeblich sind dabei die Interessen der Kinder und Jugendlichen. Wenn ombudschaftliche Arbeit als notwendig erkannt und gewünscht wird, wird ein Vertrag geschlossen und ab diesem Zeitpunkt nach dem Vier-Augen-Prinzip verfahren.

Über rechtmäßige (bes. § 27, § 35a, § 41 SGB VIII) Ansprüche informieren:

Ob Hilfen zur Erziehung, Unterstützung bei seelischer Behinderung oder Hilfen für junge Volljährige: Leistungen der Jugendhilfe sollen...

  • Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung fördern und dazu beitragen, eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige Persönlichkeiten zu werden
  • Benachteiligungen abbauen
  • junge Menschen und ihre Familien dabei unterstützen, positive Lebensbedingungen aufzubauen oder zu erhalten

Enttäuschte Erwartungen führen oft dazu, dass bereits begonnene Gespräche oder Maßnahmen abgebrochen werden und Leistungen verfallen. Je verfahrener die Situation, desto mehr Zeit und Geduld werden benötigt, um Lösungen zu finden. Unsere Hilfe setzt so früh wie möglich an und bietet Halt, wo die Helfersysteme sonst vielleicht die Mitarbeit der Betroffenen verlieren.

Persönliche oder strukturelle Unausgewogenheit erkennen

Recht haben und Recht bekommen ist manchmal zweierlei. Das Recht des Stärkeren setzt sich häufig durch, wenn es große Unterschiede bei Interessen, Vorstellungen und Kenntnissen gibt, wie kommuniziert wird oder welche Entscheidungen getroffen werden können.

Wenn Probleme unterschiedlich bewertet werden, gibt es ein regelrechtes Machtgefälle zwischen Rat suchenden jungen Menschen, ihren Familien oder Bezugspersonen einerseits und andererseits denen, die mögliche Unterstützungsleistungen gewähren und erbringen - also öffentlichen und freien Trägern. Die Sichtweise von Nichtbetroffenen von außen kann hier helfen, die Fakten klar im Blick zu haben und zu analysieren, ob persönliche oder strukturelle Interessenskonflikte rechtskonforme Hilfe erschweren.

Konflikte bewältigen

Alle Beteiligten sollen im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 3) stets das Wohl der Kinder und Jugendlichen im Blick haben und sie so weit wie möglich in die Entscheidungen mit einbeziehen. Da ist es gut, wenn sich noch eine unabhängige Einrichtung auf die Seite der jungen Menschen stellt, ihren Anliegen Gewicht verleiht und ausgleichend wirkt. Dies geschieht durch Information, Beratung, Begleitung und gegebenenfalls Vermittlung oder Unterstützung bei Konflikten, sei es bei Hilfeplangesprächen, Widerspruchsverfahren oder Vermittlung von rechtlicher Unterstützung. Denn die bisherigen Erfahrungen mit Widerspruchsverfahren zeigen, dass nicht alle Entscheidungen dem Recht entsprechen.

Als solch eine unabhängige Einrichtung hat sich in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland die ombudschaftliche Beratung entwickelt, die sich von anwaltschaftlicher Arbeit in wesentlichen Punkten unterscheidet: Während Anwälte in der Regel die Interessen ihrer Klientinnen und Klienten auf jeden Fall vor Gericht durchsetzen wollen, ist eine Ombudsstelle auf eine schnelle und effektive Beilegung des Konflikts ausgerichtet.